14. Carinthische Dialoge

"Verantwortung wahrnehmen: offen denken, Kreisläufe schließen"

11.-13. September 2020

Verantwortung wahrnehmen: offen denken, Kreisläufe schließen

 

Vieles muss sich ändern, damit alles so bleibt wie es ist. Dieser oft zitierte, hier leicht abgewandelte und häufig missverstandene Satz von 

G. Tomasi di Lampedusa (1958) hat wieder eine ungemein aktuelle Bedeutung erhalten. Die uns heute so alltäglich und lieb gewordenen „Prometheischen Innovationen“ – angefangen von der systematischen Landbewirtschaftung, der Bildung städtischer Siedlungen mit arbeitsteiliger Beschäftigung und kultureller wie zivilisatorischer Entwicklung über die Industrialisierung, die Globalisierung des Waren- und Personenverkehrs bis hin zur Automatisierung, Digitalisierung und künstlichen Intelligenz – haben zumindest in der westlichen Welt zu einem komfortablen Leben in Wohlstand geführt. Sie hinterlassen aber mittlerweile irreversible Spuren in der Umwelt, die unser Ökosystem auf Dauer schädigen. Die heutige Form und der Umfang der Eingriffe des Menschen in die Umwelt zeigen also längst negative Folgen auf, die zu einer Umorientierung in unseren Aktivitäten auffordern. Dabei geht es nicht um ein „Zurück zur Natur“, wie das einem europäisch-städtischen Zeitgeist entspräche, sondern um einen Strukturwandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft, der nach grundlegenden Veränderungen verlangt, aber richtig umgesetzt auch neue Chancen für Wachstum und Beschäftigung bieten kann. Diese Erkenntnisse sind freilich nicht neu und waren schon Inhalt vieler Publikationen und Veranstaltungen. Es stellt sich deshalb die Frage, ob unsere heutige Gesellschaft tatsächlich in der Lage und willens ist, neue Denkansätze nicht bloß zu diskutieren, sondern auch mit Leben zu erfüllen. Das erfordert allerdings ein verantwortungsvolles Handeln, bei dem die einzelnen Maßnahmen nicht isoliert, sondern (in Zusammenhang) mit deren Folgen betrachtet werden müssen, um z.B. Stoffkreisläufe tatsächlich zu schließen oder gesellschaftliche Entwicklungen tragfähig zu machen. Auch die Vielfalt der Weltsichten und der Wertewandel sind dabei zu berücksichtigen.

 

Die diesjährigen Carinthischen Dialoge wollen mit einem breit gefächerten Spektrum von Referaten zur Bioökonomie, Kreislaufwirtschaft, nachhaltigen Nutzung von Natur und kulturellem Erbe, aber auch zur Umwelt-Philosophie – vorgetragen von renommierten Experten bzw. Expertinnen – Anstöße zu einer intensiven Diskussion über die Verantwortung, die in diesem Zusammenhang jedem Einzelnen abverlangt wird, geben. Denn wir alle tragen Verantwortung nicht nur für unser Handeln, sondern auch für das, was wir nicht tun (Molière 1622-1673)

 

 

 

Chlodwig Franz und Hubert Dürrstein

 

(für das Präsidium der Carinthischen Dialoge)